Elektromagnetische
Felder und Bienen (PUBLIKATION)
von
Univ.-Doz. Dr. Ferdinand Ruzicka
Zytophysikalische Grundlagenforschung - Wien
Seit vielen Jahren betreibe ich zuerst in Wien und dann in Engelhartstetten Imkerei. Für Imker habe ich zahlreiche Kurse über Bienenpathologie abgehalten. Seit einigen Jahren habe ich selbst Probleme mit meinen Bienenvölkern, die ich nicht auf eine Krankheit allein zurückführen konnte.
Bei meinen Bienenvölkern (anfangs ca. 40 Stück) kam es zu Zusammenbrüchen von Bienenvölkern im Sommer. Im Winter konnte ich beobachten, dass die Bienen trotz Schnee und Minusgraden ausflogen und neben der Beute erfroren. Völker die dieses Verhalten zeigten sind zusammengebrochen, obwohl sie vor der Einwinterung starke, gesunde, weiselrichtige Völker waren und eine entsprechende Varroabehandlung ab Ende Juli war durchgeführt worden. Die Bienen waren auch ausreichend eingefüttert worden und das Pollenangebot war vorhanden (siehe Tabelle).
Varroatose und Sekundärinfekte bei Honigbienen
Es ist bekannt, dass pro Wintervolk nicht mehr als 100
Milben vorhanden sein dürfen. Wegen der Resistenzbildung der Varroamilbe gegen
einige häufig angewandte Varroazide wie z.B. Apistan mußte man wieder
auf Ameisensäure, Oxalsäure, Thymol zurückgreifen um nach oftmaliger
Anwendung mit Beginn bereits Ende Juli die Varroamilben in Schach zu
halten. Die wirtschaftliche Schadensschwelle der Milbe liegt bei einem
Bienen- und Brutbefallsgrad von ca. 5 - 30% und ist stark von der Jahreszeit,
vom Zustand des Bienenvolkes und der Betriebsweise abhängig. Ein Volk ist dann
gefährdet, wenn es im Juni/Juli einen höheren Milbentotenfall von mehr als 10
Varroamilben pro Tag gibt. Das entspricht einem Gesamtmilbenbestand von 1000
bis 5000 pro Volk ( Moosbeckhofer und Ulz: Der erfolgreiche Imker, Leopold
Stocker Verlag Graz-Stuttgart 1991). Versäumnisse bei der Varroabehandlung sind
in keinem Fall wieder gutzumachen. Da die größte Milbenzahl im Spätsommer
erreicht wird und zu diesem Zeitpunkt auch die Volksstärke der Bienenvölker
stark zurückgeht, können keine vollwertigen und langlebigen Winterbienen
entstehen. Scheinbar starke Völker brechen dann innerhalb kurzer Zeit zusammen,
wenn die kurzlebigen Bienen absterben. Die Gefahr von Folge- oder
Sekundärinfektionen wie Kalkbrut und Akutes Bienenparalysevirus (wird von der
Milbe übertragen) steigt.
Umfrage
Interessant waren die Reaktionen meines Artikels in der „Bienenwelt“ und meiner Umfrage im „Bienenvater“ . Leider bekam ich nur 20 schriftliche und fünf mündliche Antworten. Die Frage nach einem Mobilfunksender wurde von 100% positiv beantwortet. Die Frage nach einer erhöhten Aggressivität wurde von 37,5% positiv beantwortet. Die Frage nach der erhöhten Schwarmneigung wurde von 25% positiv beantwortet und die letzte Frage aber nach unerklärlichen Völkerzusammenbrüchen wurde von 62,5% positiv beantwortet.
„Seit 37
Jahren habe ich Bienen. Vor 5 Jahren (1998) hat mein Nachbar wegen seiner
Schulden einen Sendemast errichten lassen. Unser Schlafzimmer ist 50m entfernt.
Im Mai 2002 starb meine Frau plötzlich an Herzrhythmusstörungen. Im selben Jahr
versuchte ich vergeblich Ableger zu machen. 2003 habe ich alle Völker verloren.“
K.Z. aus Linz,Oktober 2003
Auswirkungen niederfrequenter
elektromagnetischer Felder auf Honigbienen
In wissenschaftlich durchgeführten Tierversuchen von Altmann und Warnke (1971 bis 1976) wurde der Beweis erbracht, dass niederfrequente elektromagnetische Felder von 50Hz völlig anomale Reaktionen bei Bienen verursachen. Bringt man Bienenvölker in die Nähe von Hochspannungsleitungen, reagieren die Bienen klar gegen ihren sonstigen Instinkt. Sie werden scheinbar grundlos aggressiv und richten ihre Stacheln gegeneinander. Die letzten Überlebenden fallen sogar über ihre eigene Königin her und töten sie. Horn zeigte 1983 in ausführlichen Versuchen, dass ab 10 kV/m elektrischer Feldstärke die Bienen sogar ihre Bruttätigkeit aufgeben und Brutstadien entfernen. Bei neugefüllten Kästen ziehen die Bienen aus. Es kommt zu einer starken Verkittung der Beuten. Während der Überwinterung kommt es zu einem um 25% erhöhten Futterverbrauch. Signifikant höher ist der Wintertotenfall zwischen 55 und 100%. Es wurde festgestellt, dass ein unruhiger Wintersitz einen erhöhten Befall mit Bienenkrankheiten induziert. Es kommt durch EMF zu Änderungen des Brutkurvenverlaufs mit einer rascheren Frühjahrsentwicklung.
Diese Ergebnisse im niederfrequenten Bereich können auch benutzt werden um im hochfrequenten Bereich Auswirkungen vorherzusagen. Die wissenschaftliche Forschung hat nämlich gezeigt, dass die Effekte die von niederfrequenten EMF in biologischen Systemen induziert werden identisch zu Effekten sind die von hochfrequenten EMF induziert werden und vice versa.
Wahrnehmung elektromagnetischer Felder durch Honigbienen
Die Sinnesorgane der Honigbienen sind hochentwickelt. Die Honigbienen vermögen es Farben zu sehen. Im Gegensatz zum Menschen hat sich das Spektrum bei ihnen allerdings in Richtung Ultraviolett verschoben. Das bedeutet, sie sehen rot wie schwarz, sind aber in der Lage Ultraviolettlicht zu sehen. Ebenfalls sehr hoch entwickelt ist bei der Honigbiene der Geruchssinn. Darüber hinaus hat sie ein sehr gutes Ortsgedächtnis und die Fähigkeit ihren Stockgenossinnen mit Hilfe der Bienesprache die Lage, Entfernung und Art einer ergiebigen Futterquelle mitzuteilen. Wenn sich die Nahrungsquelle innerhalb eines Umkreises von 80-100m befindet, wird von der Biene ein Rundtanz getanzt. Bei einer weiteren Entfernung der Futterquelle geben die Bienen mithilfe eines Schwänzeltanzes Auskunft. Beim Schwänzeltanz tanzt die heimkehrende Trachtbiene zunächst eine gerade Strecke, dann tanzt sie nach links. Danach folgt wieder eine gerade Strecke und dann tanzt die Trachtbiene nach rechts. Die Entfernung der Futterquelle wird durch die Anzahl der Ausschläge mit dem Hinterleib auf der geraden Strecke angegeben. Dies nennt man Schwänzeln. Wie Eskov und Saposzhnikov gezeigt haben werden von den Bienen dabei elektromagnetische Signale mit einer Modulationsfrequenz zwischen 180 und 250 Hz erzeugt.
Die Duftstoffe, die der Trachtbiene anhaften geben den anderen Bienen Auskunft über die zu beschaffende Nahrung und die anzufliegende Pflanzenart. Die neuesten Untersuchungen an Bienen zeigen, dass diese wahrscheinlich hinten im Hinterleib eine magnetisch beeinflussbare „Region“ besitzen, die Magnetit enthält, sogenannte Magnetosomen. Auf diese Weise können die ausgeflogenen Trachtbienen unter Einfluss des Erdmagnetfeldes nach dem Sonnenstand den Winkel zu den Trachtquellen ermitteln und den Winkel auf die senkrechte Wabenfläche übertragen. Bei Magnetit handelt es sich um ein schwarzes, metallisch glänzendes, undurchsichtiges Mineral mit der Formel Fe3O4 das Mikrowellen absorbiert. Die Kristalle werden von Magneten angezogen.
Stever et al. haben 2005 in einer Pilotstudie und in einer erneuten Untersuchung 2006 Verhaltensänderungen unter elektromagnetischer Exposition festgestellt. Mehrere Völker Apis mellifera carnica wurden der Strahlung einer DECT Basisstation ( 1880 – 1900 MHz, 250 mW EIRP, gepulst mit 100 Hz, Reichweite 50 m) kontinuierlich ausgesetzt, vergleichbare Völker wurden als Kontrollgruppe am selben Standort untersucht. Für beide Gruppen wurden die Parameter Baufläche, Wabengewicht und Rückkehrverhalten erhoben. Bezogen auf das Rückkehrverhalten war die Anzahl der zurückkehrenden Bienen aus unbestrahlten Völkern deutlich höher, zum anderen war die Rückkehrzeit der wenigen zurückkehrenden Bienen aus bestrahlten Völkern deutlich länger. Zu keinem Zeitpunkt der Untersuchung kamen mehr als sechs bestrahlte Bienen im Beobachtungszeitraum zurück, mehrfach sogar keine, während bei den unbestrahlten Bienen zu jedem Untersuchungszeitpunkt zurückkehrende Bienen beobachtet werden konnten.
Tabelle mit einer vergleichenden Übersicht von Verhaltensänderungen von Honigbienen in verschiedenen Frequenzbereichen elektromagnetischer Felder
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50 Hz Freileitungen 120 – 380 kV Warnke, Horn |
CB Amateurfunk Stever |
DECT Schnurlostelefon in der Beute Stever |
Mobilfunk Basisstationen
meine Beobachtungen |
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1 |
Unruhe im Winter |
Unruhe im Winter |
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Unruhe im Winter |
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2 |
25% höherer Futterverbrauch im Winter |
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2 |
Wintertotenfall 55 – 100% |
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Erhöhter Wintertotenfall |
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3 |
25% erhöhter Nosemabefall |
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Erhöhter Varroa - und Virenbefall |
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4 |
Änderung des Brutkurvenverlaufs mit starker Frühjahrsentwicklung |
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Änderung des Brutkurvenverlaufs mit starker Frühjahrsentwicklung |
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5 |
Starke Verkittung der Beuten |
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Starke Verkittung der Beuten |
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6 |
Erhöhte Aggressivität bis zum Töten der Königin |
Erhöhte Aggressivität (Agilität) |
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Erhöhte Aggressivität |
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7 |
Aufgabe der Bruttätigkeit und Entfernen der Brutwaben |
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8 |
Bei neugefüllten Beuten ziehen die Bienen aus |
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9 |
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Erhöhter Schwarmtrieb |
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Erhöhter Schwarmtrieb |
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10 |
Stark reduziertes Rückfindeverhalten |
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Stark reduziertes Rückfindeverhalten |
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Schlussfolgerungen
Meiner Meinung nach kommt es durch die flächendeckende starke Hochfrequenzstrahlung des Mobilfunks (Radio – und Fernsehen machen z.B. in Engelhartstetten bei meinem Bienenstand weniger als 0,5% der Mobilfunkstrahlung aus wie frequenzselektive Messungen ergeben haben) zu Verhaltensänderungen der Honigbienen wie ich es in der Tabelle zusammengefasst habe und in Verbindung mit der Varroatose sowie den dabei auftretenden Sekundärerkrankungen (Kalkbrut, APV) zu den beobachteten starken Völkerverlusten.
Literatur
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Ruzicka,F.: Eine rasche Nachweismethode des Akuten Paralysevirus der Honigbiene. Forschungsberichte des BMLF 11 ,1995
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Stever, H. und J.Kuhn:Elektromagnetische Exposition als Einflussfaktor für Lernprozesse - Ein Einwirkungsmodell der Bildungsinformatik mit Bienen als Bioindikatoren. 15.Intern.Conf. Systems Res., Inform.,Cybern. 28.Juli 2003 in Baden-Baden
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Warnke, U.: Physikalisch-physiologische Grundlagen zur luftelektrisch bedingten "Wetterfühligkeit" der Honigbiene; Diss., Universität des Saarlandes (1973).
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Warnke, U.:Die Wirkung von Hochspannungsfeldern auf das Verhalten von Bienensozietäten; Zeitschrift für angewandte Entomologie 82 (1), 88 (1976).