Anhörung im Bayrischen Landtag am
20.Juli 2007
von
Univ.-Doz .Dr. Ferdinand Ruzicka
Nach wie vor werden bei Mobilfunkstrahlung
nur thermische Bioeffekte anerkannt und nur dagegen schützen die vorhandenen
Grenzwerte. Obwohl
Hunderte von Studien Bioeffekte durch elektromagnetische Felder im nicht
ionisierenden athermischen Bereich in Zellen, bei Tieren und bei Menschen
nachgewiesen haben wird darüber kontrovers diskutiert und werden die Ergebnisse
bezweifelt. Das größte Problem diese Ergebnisse anzuerkennen ist, dass es keine
passende Erklärung dafür zu geben scheint wie Bioeffekte ohne Einbeziehung der
Energie und Intensität möglich sind.
Ein wesentlicher Aspekt dieses Rätsels
ist, dass dieselbe wissenschaftliche Gemeinschaft, einschließlich der
amerikanischen FDA die bezweifelt, dass es im athermischen Bereich überhaupt
Bioeffekte durch elektromagnetische Felder gibt, bereits Geräte akzeptiert die
solche gepulsten elektromagnetischen Felder für therapeutische Zwecke benutzen.
Auf der Basis hunderter klinischer, peer reviewed Doppelblindstudien wurden
statistisch signifikant Bioeffekte auf Zellen lebender Menschen bewiesen, wie Shupak,
2003 in ihrer Übersichtsarbeit dargelegt hat.
denn der Mechanismus über den athermische elektromagnetische Felder Bioeffekte verursachen, ist bekannt .
Die physikalische Möglichkeit eines elektromagnetischen Feldes
Bioeffekte
in lebenden Zellen oder Geweben auszulösen ist auf drei verschiedene
Komponenten zurückzuführen, die Energie, die Intensität und die Struktur
des Feldes. Falls eine dieser Eigenschaften Änderungen im zellulären
System bewirkt, wird das Feld als bioeffektiv angesehen.
Die vierte Komponente, die Expositionsdauer
oder die gesamte Exposition über einen Zeitraum, entscheidet ob die
biologischen Effekte vorteilhaft, neutral oder schädigend für das biologische
System sind. Es ist eine Frage der Dosis.
Studien haben gezeigt, dass kurze
Expositionszeiten oder wenige Expositionen von elektromagnetischen Feldern ( bis zu
einer halben Stunde an einigen Tagen) Zellen stimulieren. Es wurde z.B. in
zahlreichen Doppelblindstudien gezeigt, dass gepulste elektromagnetische Felder das
Knochenzellwachstum fördern und dies bei Knochenbrüchen eingesetzt werden kann
die nicht heilen wollen.
Auf der anderen Seite kann eine Langzeitexposition oder eine sich wiederholende
Exposition wie hauptsächlich bei der Benutzung elektrischer Geräte und Handys
das Umschlagen eines vorteilhaften biologischen Effektes, über einen neutralen
in einen schädlichen biologischen Effekt bewirken. Niederfrequente
elektromagnetische Felder wurden von der NIEHS 1998 und der IARC 2001 als
„möglicherweise kanzerogen“ eingestuft.
Daher ist der Schlüssel dazu ob eine
der drei Komponenten: Energie, Intensität und Struktur biologische Effekte
auslöst oder nicht, die Expositionsdauer. Sie ist also der entscheidende Faktor
ob ein Effekt schädlich ist oder nicht.
1.
Energie: Das ist jene Komponente eines elektromagnetischen Feldes, die als
biologischen Effekt eine direkte Zellschädigung auslösen kann.
Besitzt ein elektromagnetisches Feld eine hohe
Energie mit einer Frequenz die größer als 750 THz ist*, also mit
energiereichen Photonen fähig ist, Elektronen aus ihren Bahnen zu werfen und
biologische Effekte durch Aufbrechen chemischer Bindungen und Zellzerstörung zu
bewirken nennt man ein solches Feld ionisierend. Unterhalb des ultravioletten Lichtes
tragen die elektromagnetischen
Felder
eine geringere Photonenzahl und besitzen
nicht genügend Energie, um biologische Schäden zu verursachen. Diese
Felder nennt man nicht-ionisierend.
2. Intensität: Das ist
jene Komponente eines elektromagnetischen Feldes, die als biologischen Effekt eine
thermische Zerstörung bewirken kann. Elektromagnetische Felder die eine hohe
Intensität von über 10 Watt/kg SAR (Spezifische Absorptionsrate) besitzen,
erwärmen und zerstören letztlich die Zellen direkt durch den Temperaturanstieg.
Elektromagnetische
Felder
mit einer Frequenz von mehr als 1 MHz bewirken vor allem Wärmebildung durch die
Bewegung von Ionen und Wassermolekülen verursacht durch die Kraftwirkung
hauptsächlich der elektrischen Komponente des externen elektromagnetischen Feldes auf die in
den Atomen gebundenen Elektronen. Das ist der Fall beim Mikrowellenofen beim
Kochen von Speisen. Jene elektromagnetischen Felder die eine Intensität unter 10 Watt/kg
SAR besitzen und nicht in der Lage sind ein Gewebe zu erhitzen nennt man
athermisch.
3. Struktur : Das ist jene
Komponente des elektromagnetischen
Feldes,
die alle anderen biologischen Effekte auslösen kann, außer der direkten
Schädigung durch die Energie und die Erhitzung durch die Intensität. Kohärente
elektromagnetische
Felder
können biologische Effekte bewirken auch wenn die Intensität geringer als 10
Watt/ kg SAR beträgt und auch dann wenn die Intensität nicht ausreicht um einen
Temperaturanstieg von weniger als 10-6 ° C im exponierten Gewebe zu
bewirken. Diese athermischen Felder werden durch ihre Struktur
biologisch aktiv und nicht durch einen Temperaturanstieg im Gewebe. Es ist
bekannt, dass erst ab einer Erwärmung von 5,5° C die Produktion von
Hitzeschockproteinen in Zellen einsetzt. Die notwendige Energie dazu beträgt
etwa 23 000 000 J/m³. Ein niederfrequentes elektromagnetisches Feld von bloß
8mG ist die Schwelle, um dieselbe Antwort an Hitzeschockproteinen auszulösen
wie bei Erwärmung um 5,5° C. Die dafür notwendige Energie liegt aber bei 0, 000 000 26 J/m³, ein Faktor der 10 -14 niedriger ist als die Schwelle bei Erwärmung
wie Lin et al. 1997 gezeigt haben.
Nicht-ionisierende,
athermische, elektromagnetische Felder sind wegen ihrer zu geringen Energie und Intensität nicht
in der Lage ein Zellsystem direkt zu schädigen.
Thermisches
Hintergrundrauschen von Ionen in und um die Zellen ist 100 – 1000 mal stärker
als externe athermische elektromagnetische Felder. Nach Litovitz et al. 1994 ist das
thermische Hintergrundrauschen räumlich und zeitlich inkohärent, während
externe elektromagnetische Felder räumlich und zeitlich kohärent sind**).
Ist ein elektromagnetisches
Feld
räumlich und zeitlich inkohärent, dann
ist es nicht bioeffektiv; nur ein räumlich und zeitlich kohärentes elektromagnetisches Feld ist in der
Lage biologische Effekte in Zellen auszulösen. Es wurde gezeigt, dass ein nicht
ionisierendes, athermisches, aber räumlich und zeitlich kohärentes
elektromagnetisches Feld fähig ist ein Signal in Zellen von Tieren und Menschen
zu übertragen. Dieses Signal wird vom
zellulären System fälschlich als
eine reale Bedrohung
interpretiert wie eine Zerstörung durch ionisierende Strahlung,
Röntgenstrahlen, Überhitzung, toxische Chemikalien und bakterielle Angriffe.
Ungeachtet der Tatsache, dass dem athermischen elektromagnetischen Feld die Energie und Intensität fehlen das
Zellsystem direkt zu schädigen, wird durch dieses Signal eine nachweisbare
Antwort auf der biologischen Ebene ausgelöst, welche in unerwünschter Weise das
zelluläre Abwehrsystem schwächt und es für reale Angriffe verwundbar macht, wie
DiCarlo, A. L. et al.,1999, 2000
und 2002 gezeigt haben.
Litovitz et al.,1991
entdeckten auch die zeitlichen Charakteristika dieses
Auslösemechanismus. Die Ziele der kohärenten elektromagnetischen Felder, die
Zellmembranrezeptoren, benötigen wenige Millisekunden zur Erkennung des Signals
und um Botenenzyme wie Tyrosinkinase im Zellinneren zu aktivieren. Die wichtigsten Publikationen dazu sind von
Loscher et al.1998, Harvey et al.1999 und Dibirdik et al.
1998. Der Signal- Erkennungsprozess, also die Zeit die die Chromosomen
benötigen um die Kohärenz des elektromagnetischen Feldes zu erkennen beträgt
etwa eine Sekunde. Wie Sun et al. 2003 gefunden haben kommt es dabei zu
einer Clusterbildung von Zellmembranrezeptoren. Nach etwa einer Sekunde kommt
es zu einer nachweisbaren biochemischen Antwort. Die zelluläre Stressantwort
erfolgt sowohl auf genetischer Ebene über Stimulation von Stressgenen als auch
über eine Produktion von Stressproteinen. Studien die das bestätigt haben sind
u.a. von: Lin et al. 1995, 1997, Goodman et al. 1998, 2002, Harvey
1999, Trosko et al. 2000 und Leszczynski et al. 2001,2002. Eine
Kaskade von Ereignissen im zellulären biologischen System wird dabei in Gang
gesetzt. Für diese Abfolge von Ereignissen wurden in mehr als 50 Studien
Beweise geliefert. Diese Studien wurden in einer Publikation von W.R.Adey,
1996 zusammengestellt

In den Zellen werden ständig als Folge des Metabolismus, der
Immunabwehr aber auch vielfältiger Umweltbelastungen Freie Radikale gebildet.
Antioxidantien wie Melatonin beseitigen zwar die meisten Freien Radikale, die
restlichen schädigen aber Biomoleküle. Repairenzyme beheben diese Schäden,
werden aber selbst von Freien Radikalen geschädigt und können dann ihre
Funktion nicht erfüllen. Falls die Repairenzyme ständig geschädigt werden,
werden sie von Stressproteinen repariert. Letztere werden nur produziert wenn sie
benötigt werden. Bei chronischem Stress
wie er von athermischen kohärenten elektromagnetischen Feldern verursacht wird
ist aber die Produktion von Stressproteinen verringert und es werden notwendige
Molekülreparaturen nicht mehr durchgeführt. Im Fall unreparierter DNA-Moleküle
kann es entweder zu Apoptose kommen oder es kommt zu aberranten Chromosomen und
Mikronuklei. Das Risiko von Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer steigt. Im
Gehirn kann das Ergebnis genetischer Schäden bei Gliazellen die sich vermehren
Krebs sein. Bei Neuronen die sich nicht vermehren kann das Ergebnis bei genetischen Schäden
Alzheimer sein.
In
mehr als dreißig Studien konnte gezeigt werden, dass alle von athermischen
elektromagnetischen Feldern verursachten Bioeffekte die untersucht wurden von einem räumlich kohärenten aber
zeitlich inkohärenten niederfrequenten elektromagnetischen Feld das das
bioaktive elektromagnetische Feld überlagert, inhibiert werden. Es waren In
vitro Studien, In vivo Studien und Studien an Menschen. Bislang konnte
nachgewiesen werden, dass mit einem räumlich kohärenten aber zeitlich
inkohärenten elektromagnetischen Feld folgende von athermischen
elektromagnetischen Feldern bewirkte
Bioeffekte aufgehoben werden: Die gesteigerte ODC (Krebsmarker) Aktivität, Abnormalitäten
an Hühnerembryonen, Aktivierung menschlicher Onkogene, die Stressgenaktivierung
an menschlichen Zellen, die Stressproteinproduktion menschlicher Zellen, die
Beschleunigung der Zellproliferation bei menschlichen Zellen, Änderungen des
Gedächtnisses von Ratten, DNA Einzel-und Doppelstrangbrüche im Rattenhirn,
Änderungen des Membranwachstumsfaktors und der Zytochin Membranrezeptoren, der
Anstieg von SAPK (Stress-aktivierte Protein Kinasen), Unterdrückung der
interzellulären Zellkommunikation über "gap junction" wichtig für die
zelluläre Homöostase, da der Verlust ein wichtiger Schlüssel bei der Entstehung
von Krebszellen ist, die Änderung der Neurotransmittersynthese (Dopamin) in
PC12 Zellen und an der Colorado State University am Menschen die Melatoninreduktion
bei Elektrikern.
Es konnte in diesen Studien gefunden
werden, dass die Effekte in allen elektromagnetischen Feld - Frequenzbereichen bis zum
Terahertz-Bereich, den Millimeterwellen auftreten. Durch niederfrequente elektromagnetische Felder
induzierte
Bioeffekte sind identisch zu Bioeffekten die von Mikrowellen ausgelöst werden
wie alle bisherigen Untersuchungen gezeigt haben!
Aus allen Studien die die Hypothese unterstützen, dass
elektromagnetische Felder im athermischen Bereich zu Gesundheitsproblemen
führen können, ergeben sich meiner Meinung nach auch die Schlussfolgerungen,
die G. Carlo 2006 in seinem Memorandum als die Erfüllung der Koch -
Henle - Postulate formuliert hat. Neben der vorher schon ausführlich
besprochenen biologischen Plausibilität
sind das
die Konsistenz der Forschungsergebnisse
Es gibt mittlerweile mehrere Studien in jeder
wissenschaftlichen Disziplin, die Probleme nachweisen.
Der zeitliche Bezug
Es steht
heute außer Frage, dass die Exposition mit Mobilfunkstrahlung bereits lange vor
Auftreten von Erkrankungen stattfand.
Die statistische Signifikanz
Mehr als 300 statistisch signifikant erhöhte
Risikoverhältnisse wurden in der Peer- Review-Literatur veröffentlicht.
Der Dose-Response Upward
Je länger
die Verwendung und länger die Latenz, umso höher das Risiko.
Der Dose-Response Downward
Verschiedene Studien zeigen inzwischen, dass bei
Wegfall der Strahlungsexposition die beeinträchtigenden Wirkungen ebenfalls
umgekehrt werden.
Und die Konkordanz der Forschungsergebnisse
Indizien für die Schädigung stammen aus
dosimetrischen Studien, In-vitro-Studien, In-vivo-Studien, epidemiologischen
Studien und Humanexperimenten.
Der wissenschaftliche Nachweis ist nach
Reidenbach, 2003 gegeben wenn wissenschaftliche Studien unabhängiger
Forschergruppen die Reproduzierbarkeit zeigen und das Gesamtbild einen kausalen
Zusammenhang stützt. Damit werden nach Reidenbach zugleich andere
Erklärungen obsolet bzw. zumindest unwahrscheinlich. Meine Schlussfolgerung aus
den vorher besprochenen sieben Punkten ist daher, dass damit die belastbarsten
und am weitesten anerkannten Richtlinien für die Bestimmung von Ursache und
Wirkung in der Wissenschaft erfüllt sind, dass also ein Link zwischen
athermischen elektromagnetischen Feldern und gesundheitlichen Schädigungen
besteht.
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Als Kohärenz bezeichnet man die Eigenschaft einer Strahlung, wenn
die Schwingungszustände (Phasen) ihrer einzelnen Wellenpakete in festen
Beziehungen zueinander stehen. Man unterscheidet räumliche und zeitliche
Kohärenz.
Die räumliche Kohärenz gibt an, ob die einzelnen Wellenpakete, die
nebeneinander angeordnet eine Strahlung bilden, in einer festen Beziehung
zueinander schwingen. Dies ist der Fall, wenn die Wellenpakete die gleiche
Farbe (Wellenlänge) besitzen und sehr lang sind (Ausdehnung).
Mit der zeitlichen Kohärenz wird die räumliche Länge der
einfarbigen Wellenpakete in einer Strahlung beschrieben. Der Name kommt daher,
dass durch die zeitliche Kohärenz festgelegt ist, wie lange die Strahlung an
einem Punkt mit Hilfe des einfarbigen Wellenpakets beschrieben werden kann.