Egilman und Rankin Bohme schreiben in ihrer Publikation : „Die Korruption der Wissenschaft durch die Wirtschaft und ihre Auswirkungen auf Arbeitnehmer und Umwelt“ im International Journal of Occupational and Environmental Health (Vol 11/No.4, Oct/Dec 2005) „Obwohl Berufs-und Umweltkrankheiten oft als isolierte Einzelfälle eines Versagens der Wissenschaft betrachtet werden und man von der Regierung oder von der Industrie erwartet, dass sie die Interessen der Allgemeinheit schützt, sind diese Krankheiten in Wirklichkeit die Folge eines verbreiteten Systems von wirtschaftlich motivierter Prioritätensetzung, Entscheidungsfindung und Einflussnahme. Dieses System erzeugt Krankheiten, weil politische, ökonomische, regulatorische und ideologische Normen Werte wie Reichtum und Profit über die menschliche Gesundheit und eine intakte Umwelt stellen. Die Wissenschaft 1) ist eine Schlüsselgröße dieses Systems; die Manipulation von Beweismaterial, Daten und Auswertungen in der Absicht, günstige Bedingungen für die Industrie auf materiellem und ideologischen Gebiet zu erhalten hat starke Tradition.“. In einem weiteren Beitrag stellen Rankin Bohme et al. (2005) fest : „ Firmen und Industrien benutzen mehrere Taktiken, um die Tatsache zu verschleiern, dass ihre Produkte gefährlich oder tödlich sind. Im Blick auf die Gewinnmaximierung ist es ihr Ziel, sich ein möglichst wenig einschränkendes regulatorisches Umfeld zu sichern, sowie die gesetzliche Haftung für Tod oder Körperverletzung abzuwenden. Sie arbeiten mit Anwälten und PR-Spezialisten, die ihrerseits Wissenschaftler, wissenschaftliche Beiräte, Frontorganisationen, Industrieverbände, Denkfabriken und die Medien einspannen, um die Meinung in Wissenschaft und Öffentlichkeit über ihre Produkte und Verfahren zu beeinflussen. Diese Beeinflussung, die von einer korrupten Wissenschaft abhängt, begünstigt die Wirtschaft auf Kosten der Volksgesundheit.“. Weiter schreiben diese Autoren: „Eine der häufigsten von Unternehmen, Anwalts- und PR-Firmen angewandten Taktiken ist es, Wissenschaftler damit zu beauftragen, Fragen so zu stellen oder zu analysieren, dass eine ‚Kontroverse’ über etwas entsteht, was sonst ein eindeutiges Gesundheitsrisiko wäre.“ Michaels hebt im Scientific American 292: 96-101, 2005 im Artikel : Doubt is their product – Zweifel ist ihr Produkt hervor, dass die Forschung solcher Firmen regelmäßig dazu benützt wird, um die staatliche Regulierung zu beeinflussen, aber nicht mittels Beweisen für die Unschädlichkeit eines Produktes und Verfahrens, sondern mit der Behauptung, dass die Beweislage nicht eindeutig ist und staatliche Vorschriften daher nicht zu rechfertigen sind.
Als sie mit Beweisen über die Gefahren ihrer Produkte oder Verfahren konfrontiert wurden, haben sich einige Industrien oder Firmen auf die Strategie verlegt, wissenschaftlichen Zweifel zu sähen, indem sie Grundsatzfragen aufwarfen über die Art von Beweisen, auf die man sich für den Nachweis der Ursächlichkeit stützen dürfte.
Eine weitere Taktik ist es gegnerische Wissenschaftler zu diskreditieren, sie einzuschüchtern oder sie in einen Skandal zu verwickeln.
Hans-Ulrich Jakob schreibt in „Problemfall Mobilfunk Schweiz“ auf Seite 10: „Und ab Mitte der 80iger Jahre begann man, die gefährlichsten Kritiker auszuschalten, indem man denjenigen Universitäten, die nicht – industriekonforme Forscher beschäftigten, kurzerhand den Geldhahn zudrehte. Als Folge davon mussten zahlreiche Wissenschaftler ihre Lehrstühle verlassen und den vorzeitigen Ruhestand antreten. Prominenteste Opfer der nachhaltigen Säuberungswelle sind: Dr. Ing. Wolfgang Volkrodt, Prof.Dr.Dr. Ing. Andràs Varga, Prof. Dr. Gerard Hyland, Dr.Lebrecht von Klitzing, Prof. Dr.Peter Semm, Dr.Roger Santini, Dr. Claudio Gomez-Peretta, Dr.George Carlo und Prof. Dr.med Frentzel-Beyme. Prof.Dr.Neil Cherry hat die Hetze nicht überlebt und ist frühzeitig an einer neuromotorischen Krankheit gestorben.
Eine andere Taktik ist es ‚wissenschaftliche Beiräte’ im Hinblick auf ein bestimmtes Thema aufzustellen. Allzu oft sind solche Beiräte keine wirklich unabhängigen Ratgeber, sondern eher Gruppen von Wissenschaftlern, die industriefreundliche Forschung betreiben, bei behördlichen Anhörungen und in der Presse für die Interessen der Industrie sprechen. Die Industrie und ihre PR-Firmen nutzen die Massenmedien zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung über die Unschädlichkeit ihrer Produkte. Eine breite Medienkampagne reproduziert manipulierte Wissenschaft in populärer Form.
1) Ein gutes Beispiel ist die dänische Kohortenstudie – Schütz,J., Jacobsen,R., Olsen, J.H., Boice,J.D.Jr., McLaughglin, J.K., Johanden,C. : Cellular Telephone Use and Cancer Risk: Update of a Nationwide Danish Cohort“ J.Natl.Cancer Inst.;98; 1707-1713; 2006
Zu dieser Studie stellt der Epidemiologe und Jurist
Dr.George Carlo fest, dass die Dänische Krebsgesellschaft als Waschmaschine für
die Gelder der Mobilfunkindustrie agiert. Ferner, dass John Boice,
Professor am Vanderbilt-Ingram Cancer Center, und einige seiner Kollegen seit
Ende der 90er Jahre auf der Gehaltsliste der Mobilfunkindustrie stehen. Als
Dr.Carlo damals die WTR – Gelder verteilte, bewarben sich John Boice und
Joseph McLaughlin bei ihm, um exakt diese nun publizierte Studie
anfertigen zu dürfen, Carlo verweigerte ihnen jedoch damals die WTR-Gelder,
weil Boice und McLaughlin in ihrer Bewerbung unverblümt angaben,
dass sie „immer Ergebnisse produzieren würden, die für die Industrie
vorteilhaft wären“.