Ärzteinitiative Bamberger Appell
Dr. med. C. Waldmann-Selsam 96049 Bamberg
Dr.med.M.Schrievers,
Coburg Karl-May-Str.48
Dr.med.Dr.päd. I.Bittel, Lauf Tel. 0951-12300
Fax. 0951-2972506
7. Februar 2006
An den Staatsminister für Umwelt, Gesundheit nachr.: Betroffene
und Verbraucherschutz Behörden
Dr. W. Schnappauf Ärzte
Rosenkavalierplatz 2
81925 München
Akute Gesundheitsgefährdung für die Anwohner der unten
aufgeführten
Mobilfunkbasisstationen
Sofortiges Einschreiten der Behörden geboten
Sehr geehrter Herr Minister Dr. Schnappauf,
seit 10 Jahren hat Ihr Ministerium von Ärzten und Betroffenen aus ganz Bayern Informationen über Erkrankungen im Zusammenhang mit Sendeanlagen (Mobilfunk, Rundfunk, Fernsehen, Richtfunk) erhalten.
Sie kennen unsere großen Sorgen in diesem Zusammenhang seit mehr als einem Jahr. Im Juli 2005 hatten wir den Ministerpräsidenten Dr. E. Stoiber um Hilfe gebeten. Die Situation verschlimmert sich von Tag zu Tag. Die Inbetriebnahme zusätzlicher Sender, auch von UMTS, macht das Leben für immer mehr Menschen unerträglich. Immer mehr Menschen halten es zu Hause oder am Arbeitsplatz nicht mehr aus. Über 400 Anfragen und Hilferufe erreichen uns pro Woche.
Am 24.12.05 fragte Herr Strodl aus Kempten verzweifelt bei der Ärzteinitiative um Rat. Seit wenigen Tagen leide er und seine Familie unter Schwindel, Übelkeit, Benommenheit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Unruhe, Schlafstörungen, Herzrasen und erhöhtem Blutdruck. In 450 m Entfernung von der Wohnung und in 250 m von der Praxis war ein UMTS - Sender in Betrieb gegangen. Praxis und Wohnung liegen in der Hauptstrahlrichtung des 20° Sektors. Nach zweistündigem Aufenthalt im Wald würden die Beschwerden nachlassen.
Ich besuchte Herrn Strodl und seine Frau am 11.01.06 in seiner Praxis und in seinem Haus, befragte ihn und führte Messungen durch. Auch Besucher in den letzten Tagen hätten Beschwerden in seinem Haus gespürt. Ich selbst reagierte an seinem Praxisschreibtisch nach wenigen Minuten mit starkem Druckgefühl und Benommenheit im Kopf, mit eingeschränktem Denkvermögen und innerer Unruhe. Im 2. Stock des Wohnhauses betrug meine Pulsfrequenz 120 Schläge/Minute. Die Messwerte betrugen nur 1,3 µW/m².
Die Beobachtung, dass selbst in mehreren Hundert Metern Entfernung bei sehr niedrigen Immissionswerten massive Symptome auftreten, kennen wir mittlerweile von vielen Patienten.
Ihr Ministerium kennt Frau Weber, München, die seit Januar 2005 ebenfalls durch UMTS unter folgenden Symptomen leidet: Schlaflosigkeit, stechender, zischender Kopfschmerz mit Ausstrahlung bis in die Zähne, Kopfdröhnen, Tinnitus, Ohrenschmerzen, heiße, schmerzende, gerötete Augen, Sehstörungen mit kurzzeitiger Erblindung, Hautbrennen, rote Flecken im Gesicht, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckerhöhung, Atemnot, Schwindel, völlige Konfusion im Kopf, Sprechfehler, Schreibfehler, inneres Zittern.
Sie hat viele Ärzte besucht, die ihr jedoch nicht richtig helfen konnten. Ihr hilft nur das Verlassen ihres Hauses. Auch bei ihr treten die Symptome schon ab 1 µW/m² auf.
Die
Ärzteinitiative wurde im September 2005 vom Gericht in Bautzen gerufen.
Dort waren bei vielen Mitarbeitern nach Ergänzung eines Mobilfunksenders mit
UMTS zu Schwindel, Übelkeit, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Herzrhythmusstörungen
gekommen. Auch dort wurden von uns Messungen durchgeführt. Auch in Zimmern mit
20 µW/m² gab es erhebliche Symptome.
Auch in Franken (Wirsberg, Michelau, Hagenbüchach, Lichtenfels) und in Niederbayern (Hofkirchen) gibt es Standorte, an welchen die Anwohner selbst bei sehr niedrigen Immissionen schwere Symptome und Erkrankungen zeigen. In Wirsberg und Hagenbüchach hatte Frau Dr. Vogel aufgrund von Bitten der Anwohner Messungen des Gesamtspektrums durch Prof. Wuscheck veranlasst. Die Werte sind zwar niedrig, aber die Menschen dort sind krank. Nach Verlassen des Ortes erholen sie sich. Vielleicht ist das gleichzeitige Vorhandensein verschiedenen Frequenzen verantwortlich für die starken biologischen Wirkungen.
Am 02.01.06 besuchte ich fünf Familien in Schauenstein, die Schule und den Allgemeinarzt. Kinder und Erwachsene leiden unter Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Gelenkbeschwerden, Muskelschmerzen, Blutdruckschwankungen, Schildrüsenproblemen, Tinnitus und Schlafstörungen. Herzrhythmusstörungen haben in den letzten Jahren massiv zugenommen. Außerdem besteht dringender Verdacht auf erhöhte Inzidenz von Tumoren und Multipler Sklerose.
In Franken hatten wir bis vor 2 Jahren den offiziellen Stellungnahmen, dass es unterhalb der Grenzwerte keine Gesundheitsschäden gäbe, vertraut. Wir wussten nicht, dass an keinem einzigen Mobilfunkstandort in Deutschland wissenschaftliche Erhebungen über den Gesundheitszustand der Anwohner durchgeführt worden waren
Wir wussten nicht, dass an vielen Orten einzelne Ärzte längst Zusammenhänge befürchteten, weil sie mit einfachsten Methoden (Langzeit- EKG, häufige Blutdruckmessungen) Blutdruckentgleisungen, Herzrhythmusstörungen u. v. m. unter Hochfrequenzbelastung gesehen hatten. Wir wussten nicht, dass in Spanien schon im Jahr 2001 viele Mobilfunksender abgeschaltet und abgebaut wurden, weil in benachbarten Schulen und Wohngebieten jeweils mehrere Kinder, Jugendliche und Erwachsene in kurzer Zeit an Leukämien und Tumoren erkrankt waren. In unseren Ärztezeitschriften wurde weder über die beunruhigenden Beobachtungen von niedergelassenen Ärzten ( seit 1994 in Attesten dokumentiert) noch über mobilfunkkritische wissenschaftliche Ergebnisse berichtet.
Wir zogen bei den vielen unklaren Krankheitsbildern und bei der raschen Zunahme von Tinnitus, psychischen Störungen, ADS-ähnlichen Störungen bei Kindern und Erwachsenen, Herzrhythmusstörungen, Hypertonie, Kopfschmerzen, Schwindel, Depressionen, Angststörungen, reversiblen Alzheimer-ähnlichen Störungen, Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes, Fibromyalgie, Gelenkbeschwerden und Panikattacken u.a. in den letzten Jahren nie die Hochfrequenzbelastung als Ursache in Erwägung. Dabei war die Hochfrequenzexposition der Bevölkerung seit 1992 durch die Installation von Mobilfunksendern kontinuierlich angestiegen, zunächst stellenweise. Ab 1996 kam es durch die Einführung der schnurlosen DECT-Telefone innerhalb weniger Jahre zu einer flächendeckenenden Hochfrequenzbelastung. Mit der Verbreitung der Handynutzung und später der Einführung von WLAN ist die Hochfrequenzbelastung eines Großteils der Bevölkerung einschließlich der Säuglinge, Kleinkinder, Schulkinder und Jugendlichen exponentiell angestiegen. Und sie nimmt täglich weiter zu.
Durch fehlendes Wissen haben
wir jahrelang viele Fehldiagnosen gestellt.
In Bamberg erkannten einzelne Kollegen erst 2003 den Zusammenhang zwischen Hochfrequenzexposition und Erkrankungen, als ganze Familien in der Nähe von Mobilfunksendern schlagartig erkrankten ohne erkennbare medizinische Ursache. Der Verdacht fiel auf den nahegelegenen Mobilfunksender. Nach Umzug wurden diese Betroffenen schnell wieder gesund ohne jegliche medikamentöse Therapie. Die Beendigung der Exposition war die erfolgreiche Therapie
Außerdem hatten etliche Kollegen nach Anschaffung von DECT- Telefonen selbst Gesundheitsprobleme, die nach Entfernung dieser Geräte wieder verschwanden.
Im Juli 2004 wendeten sich 130 Ärzte und Ärztinnen im Bamberger Appell an die Öffentlichkeit. Sie forderten darin einen Ausbaustop des Mobilfunknetzes, eine massive Senkung der Grenzwerte, Aufklärung über die Gesundheitsrisiken, Nutzungseinschränkung für Kinder und Jugendliche und Überarbeitung des DECT-Standards.
Nach der Veröffentlichung suchten viele Ärzte, Anwohner von Mobilfunksendern, Kommunalpolitiker, Nutzer von DECT-Telefonen, Handynutzer, Mitarbeiter in Büros, Betrieben, Kindergärten, Krankenhäusern und Altenheimen mit DECT-Telefonanlagen, Mitarbeiter an Arbeitsplätzen mit WLAN, Studenten, Lehrer, Schuldirektoren, Eltern u.a. bei der Bamberger Ärzteinitiative Rat.
Am Standort Forchheim-Burk, an welchem Dr. Ullmann wohnt und praktiziert, wurden im Oktober 2004 Befragungen und Hochfrequenzmessungen in 30 Häusern rund um das Möbelhaus Fischer (3 Mobilfunksender) durchgeführt. Dr. Ullmann war beunruhigt, weil die Anwohner unter einer Vielzahl von Symptomen litten und weil auf engstem Raum in kurzer Zeit etliche Menschen an rheumatoiden Arthritiden und an Tumoren erkrankt waren. Auch seine eigene Familie litt unter Symptomen für welche er als Arzt keine ursächliche Erklärung finden konnte.
Das bei diesen ersten 30 Hausbesuchen Erlebte konnten wir zunächst nicht glauben. Wir hielten es nicht für möglich. „Das kann doch gar nicht sein,“ war unser ständiger Gedanke.
Ab 50 µW/m² im Schlafzimmer oder im Hauptaufenthaltsraum litten viele Menschen bereits unter unerklärlichen Symptomen und hatten schon eine Vielzahl von Fachärzten besucht. Einzelne reagierten schon ab 10 µW/m². Menschen, die nicht exponiert waren, weil ihr Haus durch ein Nachbargebäude abgeschirmt war und weil sie kein DECT-Telefon hatten, waren häufig beschwerdefrei.
In der Folge führten wir bei vielen Ratsuchenden (zunächst in Oberfranken, später auch darüber hinaus) Hausbesuche mit Befragung und Messung kostenfrei durch. Die orientierenden Summenmessungen (800 MHz – 2500 MHz) wurden mit dem Gerät HF 38B der Firma Gigahertz Solutions durchgeführt.
Insgesamt wurden von Oktober 2004 bis Januar 2006 bei über 900 Personen an 184 Mobilfunkstandorten zu Hause oder am Arbeitsplatz Befragungen und Messungen durchgeführt.
Die gepulsten hochfrequenten elektromagnetischen Felder (von
Mobilfunksendeanlagen, schnurlosen DECT-Telefonen, WLAN u.a.) führen weit unterhalb der gültigen
Grenzwerte zu einem neuen, vielschichtigen
Krankheitsbild mit charakteristischer Symptomenkombination.
Die Menschen leiden an einem, mehreren oder vielen der folgenden
Symptome:
· Zischende Geräusche oder Brummen im Kopf, Ohrgeräusche, Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen, Augenschwellungen, Brennen der Haut, Unruhe, Vergesslichkeit, Wortfindungsstörungen, Konzentrationsstörungen, chronische Erschöpfung, Infektanfälligkeit, Antriebslosigkeit, Zähneknirschen, nächtliches Schwitzen und Haarausfall sind meist nicht therapierbar.
Dr. A. Böttger hatte mir
im Dezember 2005 telefonisch mitgeteilt hatte, dass bei akuten
Gesundheitsgefährdungen die lokalen Gesundheitsämter und die Landesbehörden
zuständig seien. Daher suchte ich mit Herrn Strodl am 11.01.06 das für
Kempten zuständige Gesundheitsamt Sonthofen auf. Wir baten darum, vor
Ort zu untersuchen und Abhilfe zu schaffen. Wir erhielten die Auskunft, dass
hierfür eine Genehmigung von Seiten Ihres Ministeriums erforderlich sei und ich
mich daher an dieses wenden sollte.
Daher wende ich mich jetzt direkt an Sie. Bitte veranlassen Sie innerhalb von 2 Wochen, dass das Gesundheitsamt in Sonthofen sowie die für die übrigen Orte zuständigen Gesundheitsämter vor Ort tätig werden und dass eine kurzfristig einberufene Arztkommission an sämtlichen Standorten Untersuchungen vornimmt. Zur Überprüfung unseres schwerwiegenden Verdachtes müssen außerdem an einzelnen Standorten Abschaltungen angeordnet werden. In Zusammenarbeit mit den behandelnden Hausärzten und Fachärzten kann der Gesundheitszustand der Anwohner im Verlauf vor und nach Abschaltung beobachtet werden. Herz-Kreislaufparameter, Blutwerte, Melatonin in Serum und Urin sind zu erfassen.
Ingenieure, Nachrichtentechniker, Biologen und Physiker haben nicht die nötige Fachkompetenz um Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zu erkennen und zu beurteilen.
Die gesundheitsschädigenden Auswirkungen treffen uns alle, Ihre wie unsere Kinder. Wir dürfen davor die Augen nicht weiter verschließen. Wir bitten Sie daher unverzüglich tätig zu werden.
Aus ärztlicher Sicht besteht für die Anwohner der
unten aufgeführten Standorte eine akute Gesundheitsgefährdung. Unverzügliches
Einschreiten der zuständigen Behörden ist geboten. Es handelt sich hierbei erst
um einen Teil der von uns untersuchten Standorte in Bayern mit
Gesundheitsschäden bei Anwohnern.
Können Sie es mit Ihrem und dem Gewissen der Christlich
Sozialen Union vereinbaren, bei Erkrankten nicht vor Ort zu untersuchen?
Selbstverständlich sind wir bereit, bei der Aufklärung durch die offiziellen Stellen mitzuarbeiten.
Mit besten Empfehlungen
Im Auftrag Dr. med. Cornelia Waldmann-Selsam
Einzelne bayerische Standorte mit erkrankten Anwohnern (vollständige Liste folgt), Gesamtliste der untersuchten Orte (jeweils mit Anzahl der untersuchten Mobilfunkbasisstationen)